Xerox Alto: Forscher finden Sicherheitslücke in 45 Jahre altem System

b_200_150_16777215_00_images_campus-marienthal_hardware_alto-w300.jpg

10.1.2018 - Passwortverschlüsselung für Datenträger geknackt – Ziel: Archivierung historischer Daten


Die Geschichte ist nicht immer gerecht zu ihren Akteuren, und das gilt nicht nur für politische Ereignisse. Im Vergleich zum Apple Mac ist der Xerox Alto ein der breiten Masse weitgehend unbekannter Rechner, aber einer der für die Computergeschichte eine kaum zu überschätzende Rolle eingenommen hat. War dies doch der erste Rechner, der von Grund auf für die Benutzung mit Maus und grafischem User Interface ausgelegt wurde.

Archivierung

Ganz vergessen wurden die wegweisenden Arbeiten des Xerox PARC allerdings nicht, also hat sich eine Gruppe von Forschern nun daran gemacht, alte Disketten des Forschungsinstituts von Xerox zu archivieren. Dabei stießen sie aber auf eine unerwartete Hürde: Die 14-Zoll-Wechselplatten, die bis zu 2,5 Megabyte an Daten speichern konnten, waren zum Teil verschlüsselt. Jeglicher Bootversuch landete also bei einer Passwortabfrage – und das betreffende Passwort war natürlich niemandem mehr bekannt.

Spurensuche

Also machten sich die Forscher daran, die verwendete Verschlüsselung unter die Lupe zu nehmen, um potentielle Angriffe gegen diese zu identifizieren. Nicht gerade überraschend kann diese auch tatsächlich modernen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Es wird ein ziemlich simpler Hash-Algorithmus verwendet, der einen 64 Bit langen Hash ergibt. Dieser ist zwar mit einem Salt angereichert, um all zu leichte Attacken zu verhindern, dieser findet sich aber auf der Wechselplatte selbst. Es geht aber noch leichter: Die Forscher haben nämlich herausgefunden, dass es auf den Datenträgern ein verstecktes Bit gibt, über das sich die Verschlüsselung komplett deaktivieren lässt.

Passwortanalyse

Damit waren die Daten also wieder verfügbar. Aus Interesse hat man dann aber zusätzlich eine Brute-Force-Attacke gegen die Verschlüsselung gestartet, immerhin wollte man auch noch die Passwörter herausfinden. Dabei zeigte sich, dass die Entwickler schlauerweise keine einfachen Wörter verwendet haben, die über Wörterbuchattacken leicht zu knacken wären. Stattdessen setzte man auf simple achtstellige Buchstabenkombinationen wie "AATFDAFD" oder "AAJMAKAY". Diese Kombination wiederum machte die Forscher stutzig, da hier immer wieder ähnliche Muster zu erkennen waren. Schlussendlich stellte sich heraus, dass bei allen Passwörtern über sechs Stellen die ersten Zeichen ignoriert werden – was Angriffe noch leichter macht.

Fazit

Schlussendlich konnten die Passwörter – und damit auch die historisch relevanten – Daten also wiederhergestellt werden. Die Forscher resümieren, dass der Passwortalgorithmus des Xerox Alto einige grundlegende Sicherheitslücken hatte, die Angriffe wesentlich leichter machten. Für die damalige Zeit sei die Sicherheit aber durchaus "angemessen" gewesen – und mehr hatte man auch nicht versprochen. Die betreffende Lücke hat man "XeroDay" benannt – in Anspielung auf den Begriff "Zero-Day", da es sich hierbei ja tatsächlich um eine bisher unbekannte Lücke handelt, für die es noch keinen Fix gibt. Dass ein solcher noch kommen wird, scheint aber auch eher unwahrscheinlich.